„Liebesnetz“ lautet der Titel des diesjährigen Musiktheaters am Gymnasium Konz, das am 22., 23. und 24. Mai jeweils um 19 Uhr 30 im Bürgerhaus von Oberemmel über die Bühne gehen wird.

Wie steht es um die Liebe Jugendlicher in Zeiten des Netzes? Wenn das Intimste zum Gegenstand von ständiger Selbstinszenierung und ständigen Kommentaren der anderen wird. Wenn die sowieso schon Verletzlichen sich freiwillig noch verletzlicher machen, oft bewusst, oft aber auch viel verheerender verletzt werden, als denen bewusst ist, von denen die Verletzungen ausgehen oder ausgelöst werden. Nicht selten aber machen es sich die Mobber zu leicht mit dem, was sie anrichten im Netz. Nicht selten aber bietet das Netz auch gerade den Schüchternen, die sich sonst aus ihrer Deckung nicht herauswagen, die Möglichkeit, Seiten von sich zu zeigen, von denen niemand vermutet hätte, dass es sie überhaupt gibt. In dieser Zwiespältigkeit ist das Netz Liebesfalle und -nest zugleich, dass man flehen möchte: Liebes Netz, lass uns, vor allem die ganz Jungen unter uns, leben, dass sie unbeschadet und vielleicht sogar beflügelt ihr Glück suchen, das freilich nur in der wirklichen Welt zu finden ist.

Gottfried Keller, ein Autor des 19. Jahrhunderts, ahnte von unserer digitalen Welt noch nichts, wusste aber von der Zärtlichkeit junger Liebe so viel wie kaum ein anderer Autor. Und auch davon, wie feindlich die Welt denen sein kann, die in ihr leben müssen und die sich doch nur lieben wollen, das aber ganz und gar.

SchülerInnen eines Deutschleistungskurses haben aus den anrührenden Protagonisten, die ihnen in Kellers „Die Leute von Seldwyla“ begegnet sind, Jugendliche der Gegenwart gemacht und Handlungsstränge entwickelt, die in unsere digitale Wirklichkeit hineinführen. Im ersten Teil endet dieser Laborversuch tragisch, im zweiten glücklich, wie bei Keller auch. Die Rollen bieten den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern der Theater -AG am Gymnasium Konz reichlich Gelegenheit, sich mit großer Spielfreude in extreme Emotionen hineinzubegeben.

Auf der Grundlage von Liedtexten aus der Feder von NeuntklässlerInnen hat sich der Musikleistungskurs des Gymnasiums der unterschiedlichsten Gefühlslagen der jugendlichen Protagonisten angenommen und diese in Töne gesetzt. Die KomponistInnen werden bei den Aufführungen die von ihnen geschriebenen Lieder selbst musikalisch präsentieren.

Die ZuschauerInnen erwartet also mit „Liebesnetz“ ein packendes, sehr gegenwärtiges Stück, das immer wieder kraftvoll und sensibel musikalisch ausgeleuchtet wird und durch Tanzeinlagen eine besondere physische Präsenz gewinnt.

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