Überraschung, Überraschung! Schüler, die am 9. November zum Unterrichtsbeginn erschienen, fanden im Atrium der Schule ein großes Transparent vor, das an den hundertsten Jahrestag der Ausrufung der Republik  und die Einführung des Frauenwahlrechts erinnerte. Dieses runde Jubiläum war es wert, in Erinnerung gerufen zu werden. Die deutsche Geschichte ist nicht gerade mit positiven Gedenktagen übersät, und hier war endlich mal wieder ein Ereignis zu feiern, auf das man ein wenig stolz sein kann. Vor hundert Jahren rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Deutsche Republik aus, und am folgenden Tag wurde den Frauen das Wahlrecht zuerkannt. Bis dahin hatten sie politisch nichts gegolten.

Natürlich gerieten durch die Hervorhebung der Republikgründung andere wichtige denkwürdige Ereignisse des 9. November ins Hintertreffen: der Hitlerputsch 1923, die Reichspogromnacht 1938 oder auch die Öffnung der Berliner Mauer im Jahr 1989. Aber die Zahl 100 mag das in diesem Jahr entschuldigen.

Allerdings: Aufmerksame Schüler hatten das Banner schon sehr früh am Morgen ergänzt und ein Schild hinzugefügt: „100 Jahre Reichspogromnacht. Gegen das Vergessen“. Auch wenn es hier nicht um das Vergessen ging und auch nicht vergessen worden war: Auf solche Schüler kann eine Schule stolz sein!

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