Auf ihrer Studienfahrt zu den Schlachtfeldern Verduns hatte die Jahrgangsstufe 9 des Gymnasiums Konz ein besonderes Erlebnis. Nach einer Besichtigung des Schlachtfeldes in Verdun hatten die Schüler und Schülerinnen Gelegenheit, bei der Ortschaft Vauquois in ein Stollensystem einzusteigen, das vor genau hundert Jahren von der kaiserlich-deutschen Armee gegraben wurde.

1916 war die auf einem Hügel gelegene Ortschaft Vauqois wegen ihrer strategisch günstigen Lage heiß umkämpft. Die deutsche Armee hatte hier einen Beobachtungsposten und die französische Truppen lagen nur wenige hundert Meter entfernt jenseits der Frontlinie am Fuß des Hügels. Beide Armeen arbeiteten sich nun sich von entgegen gesetzten Seiten in den Berg hinein, um sich gegenseitig zu untergraben und den Gegner in die Luft zu sprengen. Hierbei brachten die Deutschen am 14. Mai 60 Tonnen Sprengstoff zur Explosion, wodurch die komplette Spitze des Hügels samt Dorf weggesprengt. 108 Franzosen verloren durch die Explosion das Leben.

Heute sind hiervon neben vielen anderen Spuren von Granateinschlägen noch der 25 Meter tiefe Explosionstrichter zu sehen, unter dem sich bis in eine Tiefe von 94 Metern Gänge und Stollen erhalten haben. Die Neuntklässler aus Konz konnten jedoch nur bis in eine Tiefe von 14 Metern einsteigen. Hier hat die "Association des Amies de Vauqois" einen Teil des Stollensystems wieder begehbar und für Besucher zugänglich gemacht.

Die Konzer Schüler staunten nicht schlecht als sie bei ihrer Ankunft mit Helmen und Taschenlampen ausgerüstet und zu einem recht provisorisch aussehenden Eingang geführt wurden. Im Stollen war es feucht und glitschig, Wasser tropfte von der Decke des spärlich durch schwache Glühbirnen beleuchteten Tunnels. Im Ameisengang führte der Weg zu einer etwas größeren Ausbuchtung, die sich als unterirdische Küche herausstellte. Pierre Lenhard, der sein perfektes Deutsch in über zehn Jahren als Militärpolizist in Wittlich gelernt hat, erklärte äußerst eindringlich das harte Leben der Soldaten in der Unterwelt: 8 Stunden Kämpfen, 8 Stunden graben, 8 Stunden ausruhen. So wurde der Krieg in der Enge des Stollens regelrecht physisch spürbar. Der Gang führte vorbei an einer Wasserpumpe, Seitengängen und "Schlafhöhlen" für Offiziere und Mannschaftsränge und schließlich waren die Schülerinnen und Schüler froh, nach einer Stunde wieder das Tageslicht zu sehen. Sechzig Minuten lang war der Erste Weltkrieg ganz nahe gewesen.

Erläuterung

Bild 2 Einstieg in den Stollen    Bild 6 14 Meter unter der Erde 2Bild 9 Die Granattrichter sind bis heute sichtbar

 

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